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Wien - Tatra 2008

Galerie von Florin Rutschmann
Kurzbeschrieb der Reise

Reiseberichte und Fotogalerien von der Fahrradtour im Osten Österreichs, Ungarn und der Slowakei.

Angaben zum Fotografen

Florin Rutschmann

Seit Jahren stellt er mit Makro-Objektiv und Kamera den Heuschrecken nach, mit dem Ziel, möglichst alle Arten Europas eines Tages dokumentieren zu können. Neben seiner Tätigkeit bei Orthoptera.ch arbeitet er als Projektleiter im praktischen Naturschutz.

2008.09.22 - Miskolc retour - Tagesstrecke: 25 km

Der Tag beginnt vielversprechend, immerhin sind am Himmel da und dort ein paar blaue Flecken zu erkennen. Bereits während wir aus Miskolc hinaus die richtige Strasse suchen, scheint die Sonne. Zudem erhalten wir schon in aller Frühe von Stefan Schilli und Römu ein SMS, dass sie in Kürze mit dem Nachtzug in Budapest ankommen und wissen wollen, wo wir uns treffen.
Wir sind unterwegs von Miskolc in den Bükk Nationalpark (Bükki Nemzeti Park), fahren gemütlich über 12 Km den Berg hinauf und wollen erst mal sehen, wie weit wir heute kommen. Die kleine Strasse windet sich durch dichten Laubwald bis auf 640 m ü. M. den Berg hinauf. Oben auf der Passhöhe angekommen, glauben wir kurz vor Repashuta ein schönes Stück weit gekommen zu sein und bereits vor der Abfahrt nach Eger zu stehen. Also schreiben wir Stefan munter zurück, dass wir es bis Gyöngyös schaffen könnten. Kaum ist das SMS verschickt, sitzen wir wieder fest im Sattel und rauschen den Berg hinunter. Nach wenigen 100 Metern fahren wir in die nächste Ortschaft und realisieren, dass wir kaum vom Fleck gekommen sind. An den grösseren Massstab der Ungarnkarte müssen wir uns erst gewöhnen, um ein Gefühl für die Distanzen zu bekommen. Macht nichts, wir schreiben halt ein neues SMS, dass wir doch nur bis Eger kommen werden. Während Petra am tippen ist, sehe ich mir das Hinterrad wieder einmal genauer an, was zum Standardritual während den Pausen gehört. Denn seit über einem Jahr gibt dies eigenartige Geräusche von sich, die sich bedrohlich anhören und seit einer Woche verstärkt auftreten. Doch lokaliseren konnten wir sie bis anhin nicht. Das SMS ist raus, als mein Blick erstarrt und am Felgen haften bleibt. Wow, das darf doch nicht wahr sein! Denke ich innerlich. Petra wird schon ungeduldig, da ich vor dem Felgen sitzen und wirres Zeug vor mich hin murmle, in der Hoffnung den Felgen zu beschwören. Aber der scheint bereits am Ende seiner Karriere, denn einige Speichen sind im Begriff das gute Stück Alu auseinander zu reissen. Besonders zwei Stellen sind weit vortgeschritten und drohen mit einem grösseren Stück auszureissen. Daher löse ich die zwei Speichen ein klein wenig, um den Zug vom Felgen zu nehmen, doch das führt dazu, dass das gesamte Rad seitlich abwandert und nun der Radmantel am Fahrradrahmen ansteht, und zwar derart, dass nicht mehr weitergefahren werden kann. Das heisst schon wieder ein SMS an Stefan, dass wir mit einem Problem festsitzen und uns am besten in Miskolc treffen, wo es ein Fahrradgeschäft geben soll.
Da wir mit der Sprache reichlich Schwierigkeiten haben, denn die wenigsten Leute sprechen englisch oder deutsch, ist die Kommunikation schwierig. Schliesslich versteht einer unsere Lage und beginnt zu telefonieren. Nach über zwei Stunden Wartezeit kommt ein Bauarbeiter mit einem grossen, alten Brückenwagen, auf dem man vermutlich etwa 20 Pinos mit Gepäck untergebracht hätte. Natürlich muss er noch schnell bei der Firma anhalten, damit die Arbeitskollegen, den komischen Transport und das exotische Fahrrad begutachten und kommentieren können, bevor es in einem höllen Tempo die erkämpften Höhenmeter talwärts geht. Nach einer knappen Stunde sind wir wieder zurück in Miskolc. Gerade rechtzeitig, um noch ein Fahrradgeschäft aufzusuchen.
Dieses ist bestens ausgestattet und hat ein ganzes Regal voller Felgen, in allen nur erdenklichen Abmessungen. Nur ist die Werkstatt gerade besetzt. Nach einigem hin und her kaufe ich den Felgen, der mit grösster Wahrscheinlichkeit passt und vereinbare, dass ich morgen vorbeikommen kann, falls wir Probleme mit dem Einspeichen hätten.
Auf dem Weg ins Stadtzentrum, treffen wir auf Stefan und Römu, die von Budapest nach Miskolc eine unterhaltsame Zugfahrt hinter sich hatten. Sie wussten nicht, dass sie auf ihrem Zug eine spezielle Reservation für die Räder hätten kaufen müssen, was zu einem riesen Zirkus mit der Kontrolle führte.
Die private Unterkunft Völgyzugoly Vendégház (siehe Link unten) entpuppt sich als absolutes 'bijou'. Hinter der durchschnittlichen Strassenfassade kommt eine geräumiges und künstlerisch gestaltets Haus mit Garten zum Vorschein. Die sehr freundliche Familie lässt uns ihren Garten zur Werkstatt umfunktionieren. So speichen wir bis in die Dunkelheit den neuen Felgen ein und kochen in der dazugehörigen Küche ein leckeres Abendessen.

2008.09.23 - Miskolc nach Eger - Tagesstrecke: 66 km

Punkt 9 Uhr stehe ich mit dem provisorisch eingespeichten Rad vor dem Fahrradgeschäft und werde schon grinsend erwartet. In Kürze wird der Felgen im Zentrierständer auf Position gebracht, während ich ein paar Fotos mache und mich mit dem Chef unterhalte. Schliesslich will dieser nicht einmal etwas für die Arbeit kassieren und lässt mich mit dem prallen Reifen und dem Hinweis auf ein paar mangelhafte Speichennippel von dannen ziehen. Durch die ständigen Optimierungen, auch bereits während der letztjährigen Tour durch die Karpaten, haben einige der Nippel etliches abbekommen und verfügen über annähernd runde Kanten.
Kurz nach 10 Uhr sind wir endlich soweit und können starten. Die Strecke bis Bükkszentkereszt kennen wir ja inzwischen und finden die richtigen Strassen ohne Probleme. Der Berg zieht sich wieder endlos hin, doch trotzdem haben wir das Gefühl wesentlich schneller und entspannter unterwegs zu sein. Nur das Geräusch, dass wir mit dem ausgewechselten Felgen abgeschrieben glaubten, begleitet uns unverändert. Die Ursache dafür muss irgendwo an der Hinterradnabe liegen. In der Hoffnung, dass die ganze Sache noch ein paar Tage durchsteht und nicht plötzlich mit einem dumpfen Knack im Leerlauf endet, trampeln wir weiter.
Als wir aus der Ortschaft Bükkszentkereszt hinaus fahren, machen wir noch kräftig Spässe über die neue Gegend, die sich uns nun erschliesst. Nach ca. 1 Km ist aber auch schon fertig mit lustig. Der neue Hinterreifen ist platt. Ruckzuck ist das Leck gefunden, überklebt und weiter geht's. Doch nach wenigen Metern ist schon wieder Schluss, die Luft ist weg. Beim zweiten Anlauf lassen wir mehr Sorgfalt walten. Da immer nur einer richtig werkeln kann, müssen die anderen warten und beginnen langsam von innen heraus zu frieren. Römu scheint in seinem bescheidenen Gepäck allerhand Überraschung eingepackt zu haben. Nach ein paar Minuten haben wir richtig heissen Kaffe und eine Suppe auf dem Tisch - oder besser dem Strassenbelag. Misstrauisch aber frisch gestärkt fahren wir los.
Jetzt erst geht es in den Bükk Nationalpark (Bükki Nemzeti Park) hinein, der im Jahre 1977 gegründet wurde und inzwischen eine geschützte Fläche von 43'254 ha umfasst. Aufgrund der Lage und des Klimas beherbergt der Nationalpark eine artenreiche Flora und Fauna. Es lassen sich hier Vertreter sowohl mediterraner als auch alpiner Lebensräume vorfinden. Besonders trifft dies auf die Insektenfauna zu, die leider zu dieser Jahreszeit und bei den Wetterverhältnissen nicht viel von sich sehen und hören lässt. Daneben sind es die ausgedehnten Wälder und die unzähligen Höhlen, welche den Nationalpark auszeichnen.
Unsere Strecke Richtung Eger führt kurvenreich durch endlose Laubwälder. Nur hin und wieder öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf die Hügellandschaft frei. Auf den offenen Flächen sind die Reste der mageren Wiesen und Weiden zu erkennen, die ein vor wenigen Tagen verblasstes entomologisches Eldorado erahnen lassen.
Während der langen Abfahrt nach Eger meldet sich ein neues Geräusch an unserem Tandem. Die Bremsscheibe scheint irgendwo zu streifen. Wenn der Ärger an einer Stelle einmal eingesetzt hat, kommt eines nach dem anderen. Wir beruhigen uns, indem wir an eine ausgiebige Werkstattsession zuhause denken. Natürlich sind wir wieder einmal ein paar Minuten zu spät in Eger, sodass die Touristeninformation bereits geschlossen hat. Es dauert nur Kurz, da werden wir von einem Passanten angesprochen. Er spricht zwar weder deutsch noch englisch, doch dass er fragt, ob wir eine Unterkunft suchen, begreifen wir rasch. Irgendwie scheint uns der ältere Herr nicht ganz geheuer und als er uns dazu noch eine Offerte für 1200.- Ft (Forint, ± 4.8.- €) pro Person unterbreitet, sind wir noch skeptischer. Nichtsdestotrotz fahren wir hinter ihm her und wollen den Schuppen sehen. Vor einer etwas herunter gekommenen Hütte bleibt er stehen und klingelt. Nach einigen Wortfetzen auf ungarisch zwischen unserem 'Guide' und der Vermieterin haben sich unsere Vermutungen bestätigt. Das Zimmer ist doch nicht ganz so günstig, wie er uns vorgerechnet hat. Er spielt den ahnungslosen, doch sie lässt nicht mit sich handeln, weder mit ihm noch mit uns. Da die Hütte von aussen nicht gerade gemütlich aussieht, sind wir auch nicht bereit den Preis zu bezahlen und fahren weiter. Schliesslich werden wir direkt beim Minarett fündig. Nicht günstiger, dafür aber wesentlich angenehmer.

2008.09.24 - Eger nach Gyöngyös - Tagesstrecke: 69 km

Bevor es losgehen kann, steht das verflixte Pino schon wieder kopfüber. Die Bremsen werden inspiziert. Und hoppla, die Bremsbeläge haben sich in Rauch und Staub aufgelöst. Es fehlen nur noch ein paar wenige 10-tel Millimeter, bis die Scheibe auf Metall getroffen wäre. Immerhin haben die Beläge nun knapp 5'000 Km weit gehalten, aber jetzt ist definitiv Auswechseln angesagt.
Die Unterkunft hinter uns gelassen, ist nach 100 m Fahrt schon der nächste Zwischenhalt angesagt. Wir wollen auf das 35 m hohe Minarett, das in Mitten von barocken Bauten eigenartig, ja, etwas deplatziert wirkt. Das Bauwerk ist auf die 91 Jahre andauernde osmanische Herrschaft zurück zu führen. Die ersten Türkenkriege 1552 scheiterten am Widerstand in Eger, jedoch hielt die Stadt der zweiten Welle 1596 nicht mehr stand und fiel dem osmanischen Reich zu.
Unten bezahlen wir 200.- Ft (± 0.8.- €), dann wird das Licht in der engen Wendeltreppe angeschaltet. Je weiter wir hochsteigen, desto enger wird es. Die Schultern streifen beidseits der Treppe an der Wand. Endlich erblicken wir Licht, der Ausgang naht. Doch die klaustrophobischen Ansätze weichen abrupt dem Höhenkoller, der einem die weite Sicht und frische Brise beinahe vermiest. Der Balkon um den Turm herum ist mit ca. 0.5 m verdammt schmal, sodass wir uns am Eisengeländer klammernd zureden, dass diese Konstruktion nun doch schon einige hundert Jahre überdauert hatte. Hat sich der Puls etwas beruhigt, ist das Panorama doch sehr eindrücklich.
Auf dem Weg aus Eger hinaus, irren wir etwas durch die Vororte und landen in den Rebbergen, wo ein hilfsbereiter Winzer uns auf die richtige Fährte bringt. Inzwischen zeigt sich tatsächlich immer wieder mal die Sonne und heizt ganz schön ein. Aber nicht nur uns, auch die Heuschrecken, die während über einer Woche verstummt waren, singen nun da und dort am Strassenrand. Die Strecke Richtung Westen führt über leichte Anhöhen durch eine wunderschöne Kulturlandschaft. Alle paar Meter gäbe es einen Grund abzusteigen.
Auf den Strecken bergauf sind wir mit dem Tandem den beiden Einzelkämpfern deutlich unterlegen und fallen jedes Mal zurück. Hingegen sind wir bei den Talfahrten mit der grösseren Masse überlegen und rauschen wieder an den beiden vorbei. Das Spiel wiederholt sich von Hügel zu Hügel, so dass wir insgesamt doch ähnlich schnell vorwärts kommen. Vor Gyöngyös treffen wir auf die alt bekannten ungarischen Radlerprobleme. Die Einfahrt in die Stadt ist unter anderem für Radfahrer auf den normalen Strasse untersagt. Alternative Möglichkeiten sind zumindest für ortsunkundige nicht in Sicht. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als die Schilder ungeachtet rechts stehen zu lassen und weiter zu fahren. Auf der Touristeninformation erhalten wir die Auskunft, dass es in Gyöngyös keine günstigen Unterkünfte gibt und die nächsten in etwa 10 Km Entfernung liegen.
Stefan, der immer noch mit den 'Nachwehen' seiner Stirnhöhlenentzündung zu kämpfen hat, lässt sich auf der Strecke nach Gyöngyöspata von Römu schieben, der von der heutigen Tagestour erst warm gefahren ist und wie von der 'Tarantella' gestochen mal vorne weg fährt, wieder zurück kommt, um Stefan den nächsten Hügel hinauf zu schieben und dann wieder davon zieht, als gäbe es kein Morgen. In Gyöngyöspata angekommen, entdecken wir das empfohlene Hotel sogleich. Der äussere Eindruck lässt uns aber erst mal abwarten, es scheint doch leicht über unseren Ansprüchen zu liegen. Stefan hat irgendein Nandi Vendégház im Kopf und bläst zur Suche. Wie die führungslosen Schafe irren wir durch das Dorf, den Hügel steil hinauf und hinab, doch von der Unterkunft ist keine Spur auszumachen. Bis wir auf dem Campingplatz landen, der jedoch schon geschlossen ist und keine feste Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten hat. Die freundliche Besitzerin weiss allerdings vom Nandi Vendégház und beschreibt uns den Weg.
Tatsächlich, ein kleines Schildchen befindet sich an einer Mauer, die wir bestimmt ein paar Mal passiert haben. Eine sehr freundlich Frau mittleren Alters macht die einwandfrei funktionierende Türe zum Grundstück auf und empfängt uns in bestem Deutsch. Kaum haben wir die Zimmer im Dachgeschoss des geräumigen Hauses bezogen, offeriert sie uns ungarischen Gulasch und Apfelstrudel zum Abendessen. Dankbar nehmen wir an. Schon steht der nächste Programmpunkt an - sie möchte uns zur Weindegustation einladen. Na, da sagen wir sicherlich nicht nein! In der Einfahrt des Hauses, das leicht in den Hügel hinein gebaut ist, warten wir auf die Chefin. Stolz kommt sie mit einem riesigen, museal wirkenden Schlüssel die Treppen hinunter und öffnet damit die massive Holztür zum Keller. Als das Licht angeht, stehen wir ungläubig vor einem langen, uralten Weinkeller. Neugierig steigen wir hinab und spähen das Gewölbe aus. Bei der anschliessenden Degustation erklärt sie uns, dass der älteste Gewölbebogen aus dem 14. Jahrhundert stammt und auch der restliche Keller ein stattliches Alter aufweist, jedoch da und dort restauriert wurde. Im hinteren Teil, der noch auf etwa 20 m einsehbar ist, hat die alte Gesteinsdecke nachgegeben und den Keller zur Hälfte mit Schutt zugeschüttet. Die Renovation des eingebrochenen Teils sei ein langfristiger Traum, den sie sich eines Tages verwirklichen wolle. Bei Wein und Baumnüssen erzählt sie uns einiges über die Winzertradition der Region uns ihrer Familie im Besonderen. Auch dass sie Bernáth Magdolna (Magdi) heisse und Dank des vulkanischen Tuffuntergrundes einen einmalig fruchtig-süsslichen Wein produzieren kann.
Glücklicherweise verfügt Magdi nicht über mehr als vier unterschiedliche Weinsorten. Nach der Tagesetappe bekommt der Alkohol besonders gut auf den leeren Magen.
Wohlig torkeln wir aus dem Ehrfurcht erregenden Keller hinaus. Nicht genug damit. Den Abend verbringen wir bei bestem ungarischem Gulasch und einer Flasche Weisswein aus dem hauseigenen Weingut. Die absolute Krönung sind schliesslich die Apfelstrudel aus der Hausküche. Heiter erschöpft und zufrieden fallen wir in die Kissen.

2008.09.25 - Gyöngyös nach Vác - Tagesstrecke: 83 km

Stefan fühlt sich immer noch nicht wirklich besser. Der Regen und die Unterkunft machen die Entscheidung leicht; er möchte einen Tag ausruhen und sich ganz auf den wunderbaren Weinkeller konzentrieren. Wir müssen aber weiter, um rechtzeitig in Wien zu sein. Auch Römu muss seine Beine vertreten und fährt mit uns ein ganzes Stück mit. Als wir bezahlen wollen, hat sich Magdi den anhaltenden Nachwirkungen der Stirnhöhlenentzündung Stefans bereits angenommen. Erst müssen wir noch abwarten, bis sie mit dem Händeauflegen bei Stefan fertig ist. Wir bezahlen 5'000.- Fr (± 20.- €) pro Person inkl. Abendessen. Zu guter letzt schenkt sie uns den Wein, den wir uns zum Abendessen gönnten mit dem Kommentar; "Auf unsere Gesundheit!"
Kaum sind wir unterwegs, reisst die Wolkendecke auf und die Sonne lässt sich zwischen den grauen Wasserdampfbergen immer wieder blicken. Zügig kommen wir voran und müssen nur in Iklad fluchtartig eine Bäckerei aufsuchen. Während es draussen runter lässt, was es her giebt, geniessen wir einen heissen Automatenkaffee, der übel nach Reinigungsmittel schmeckt. Nach wenigen Minuten sind die Regenwolken vorüber gezogen und wir fahren mit Römu noch ein paar Ortschaften weiter, ehe sich unsere Wege bei Galamácsa trennen. Während Römu in einer Schlaufe durch die Hügel zurück nach Gyöngyöspata radelt, nehmen wir die letzten 30 Km nach Vác in angriff. Schade, eigentlich wären wir mit den zwei erfahrenen Tourenfüchsen gerne noch weiter gefahren. Aber insgeheim freuen wir uns auf den kommenden Frühling, wenn wir ein halbes Jahr ohne kurzfristigen Termine wild darauf los trampeln können. Dabei in schönen Regionen auch mal ein paar Tage verbringen können, ohne gleich mit Routenoptimierungen Kilometer und Tage verrechnen zu müssen, um den Zug nach Hause nicht zu verpassen.
In Vac angekommen, staunen wir nicht schlecht, ob so einer herausgeputzten Innenstadt. Ist ja fast wie in der Schweiz! Um herauszufinden wie wir mit der Bahn nach Wien kommen, fahren wir zwischen der Touristeninformation und dem Bahnhof hin und her. Glücklicherweise sind die auf der Information reichlich geduldig, denn am Bahnschalter kann uns nicht weiter geholfen werden. Trotz der Nähe zu Budapest und der Grösse der Stadt (± 35'000 Einwohner) ist der Bahnhof ziemlich heruntergekommen. Am Schalter informiere ich mich über die Verbindungen nach Bratislava. Da die ältere Dame hinter der Vitrine weder deutsch noch englisch spricht, dauerte es ein Weilchen, bis ich die richtige Aussprache mit dem pseudorussischen Akzent für Bratislava gefunden habe. Auf einem abgewetzten Blatt Papier an der Wand streicht sie mit den langen, gelben Fingernägeln über den von Hand geschrieben Fahrplan und schnarrt mich sogleich durch die Scheibe auf ungarisch an. Ah, das war wohl die Verbindung. Endlich kramt sie ein dickes Kursbuch unter dem Tisch hervor und beginnt zu blättern. Dann hält sie mir das Ding unter die Nase. Jetzt habe ich es begriffen, der Zug fährt um 14:06 Uhr. Weiter Informationen über Faradtransport und Ticket waren nicht zu bekommen. Zurück auf der Touristeninformation fragen wir nach, worauf diese mit dem Schalter telefonieren. Das geht doch schon viel einfacher und wir haben eine Verbindung morgens um 6:06 Uhr, bei der wir das Fahrrad mitnehmen können. Über den Preis wissen wir aber immer noch nichts genaueres. Darüber können sie am Bahnhof keine Auskunft geben.
Wir schlendern noch etwas dem Donauufer entlang und durch die Stadt mit ihren stolzen Bauten, bevor wir uns in dem komisch, biederen Zimmer zurück ziehen.

2008.09.26/27 - Rückreise - Tagesstrecke: 8 km / Tagesstrecke: 6 km

Morgens um 5:00 Uhr haben wir zusammengepackt. Der nervöse Gastgeber bringt im Morgenmantel eiligst noch eine Tasse schwarzen Kaffe hinaus in die morgendliche Kälte. Wir ziehen los an den Bahnhof, den wir inzwischen beinahe blind finden. Wir sind frühzeitig dort, doch es herrscht bereits Hochbetrieb. Bleiche Gestalten huschen durch die ohnehin schon mysteriösen Bahnhofshallen.
Der Schalter ist geschlossen. Auch 10 Minuten vor Abfahrt ist der Vorhang immer noch zu gezogen. Am Schalter für die regionalen Verbindungen zuckt man nur mit der Schulter und redet irgendetwas auf ungarisch. Ich frage einen jüngeren Herrn, der im Anzug herum steht, doch auch er ist nicht gerade ein geübter 'English-speaker'. Immerhin entnehme ich seiner Übersetzung, dass wir im Zug direkt lösen müssen.
Pünktlich fährt die DB-Komposition ein. Eiligst schmeissen wir alles hinein und sind froh, dass der Zugbegleiter nicht protestiert. Als dieser zur Kontrolle kommt, erklären wir ihm die Situation. Er schüttelt den Kopf und tippt etwas auf seinem elektronischen Spielzeug herum. Es dauert bis er auf dem Display einen Betrag zeigt und winkt sofort ab, zückt den Taschenrechner. 1000.- Ft (± 4.- €) stehen da. Er deutet an, dass es viel zu kompliziert sei und wir ihm einfach den Betrag geben sollen. In der Slowakei sollen wir dann ein richtiges Ticket beziehen und dem Verantwortlichen sagen, dass wir für Ungarn bereits bezahlt hätten. Er kassiert, damit ist es geregelt. Er hat vermutlich gerade seinen Morgenkaffee finanziert, denn einen Beleg erhalten wir nicht. Uns ist es einfach nur recht, dass wir nicht wieder rausgeworfen werden.
In der Slowakei dann genau dasselbe Spiel. Immerhin bittet der Zugbegleiter Petra in den Gang zwischen die Wägen hinaus. Dort jammert er, dass es für das Gerät zu kompliziert sei und verlangt ein paar Euro. Damit hat sich auch diese Fahrt erledigt. Am Hauptbahnhof in Bratislava bekommen wir schliesslich wieder ein hoch offizielles Ticket für die Strecke nach Wien.

Im HappyHostel kennt man uns inzwischen, oder besser gesagt das Tandem. Es sorgt wieder für Gesprächsstoff beim Frühstück. Ohne Probleme verladen wir das Gefährt in den Zug von Wien nach Zürich.

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