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Wien - Tatra 2008

Galerie von Florin Rutschmann
Kurzbeschrieb der Reise

Reiseberichte und Fotogalerien von der Fahrradtour im Osten Österreichs, Ungarn und der Slowakei.

Angaben zum Fotografen

Florin Rutschmann

Seit Jahren stellt er mit Makro-Objektiv und Kamera den Heuschrecken nach, mit dem Ziel, möglichst alle Arten Europas eines Tages dokumentieren zu können. Neben seiner Tätigkeit bei Orthoptera.ch arbeitet er als Projektleiter im praktischen Naturschutz.

2008.09.07 - Anreise - Tagesstrecke: 6 km

Früh Morgens packen wir die letzten Sachen in der Wohnung zusammen und passen unsere Tageskleidung dem regnerischen Wetter an. Dann endlich, um 8:50 Uhr sitzen wir auf unserem Tandem und fahren an den Zürcher Hauptbahnhof. Am Gleiskopf treffen wir einen etwas übermüdeten Dominik Hagist in voller Regenmontur. Nun fehlt nur noch der passende Zug. Fünf Minuten bevor dieser abfahren sollte, suchen wir mit den Fahrrädern den Gepäckwagen auf. Dort stehen bereits ein paar andere Radfahrer ungeduldig vor verschlossenen Wagentüren und hoffen auf "Sesam öffne dich". Als der verantwortliche Zugbegleiter ausgemacht war, erklärt dieser; man müssen mit den Fahrrädern im vorderen Wagen einsteigen und die Räder über den Gang in den Gepäckwagen schieben. Die Batterie des Wagens sei hinüber, so dass sich die Tür nicht öffnen lasse. Aber hallo! Wie soll ich da unser überbreites Pino hinein bekommen. Erst zeigt er sich völlig desinteressiert und meint; das sei wohl nicht sein Problem. Ein kurzer Adrenalinkick, ein paar scharfe Worte und schliesslich willigt er ein, dass wir das Tandem im vordersten Wagen quer in den Einstiegsbereich stellen können. Gerade rechtzeitg zur Abfahrt um 9:40 Uhr ist alles verstaut und wir haben unsere Sitze bezogen.
Mit einer knappen Stunde Verspätung erreichen wir um 19:20 Uhr den Wiener Westbahnhof. Es ist spürbar wärmer, doch auch hier ist der Himmel wolkenverhangen und der nächste Regenschauer scheint nicht mehr in all zu weiter Ferne. Im HappyHostel an der Kurzgasse beziehen wir für 21.- € pro Person eine ausgezeichnete Unterkunft.

2008.09.08 - Nationalpark Donauauen - Tagesstrecke: 56 km

Der Tag beginnt vielversprechend. Wind und Regen haben sich davon gemacht und bereits zum Frühstück um 8:00 Uhr machen sich gemüliche Sonnenstrahlen breit. Das Frühstücksangebot im HappyHostel feiert heute seine Premiere. Wir bekommen in einem Nebengebäude für 3.- € ein stattliches Essen, auch wenn dieses nur als "kleines Frühstück" bezeichnet wird.
Gestärkt beladen wir die Räder und wollen davon rollen, da entweicht Dominik ein erstauntes; hääää! Sein Vorderreifen läuft auf dem Felgen, die Luft ist raus. Na, das beginnt ja lustig! Schnell ist das Reparaturset zur Hand und der Ersatzschlauch ist im Nu eingesetzt.
Wir irren durch die Gassen und Einbahnstrassen Wiens Richtung Donau, wo wir ein ganzes Weilchen zwischen verschiedenen Radwegen und Baustellen hin und her fahren, bis sich endlich die Häuserschluchten lichten und wir in die Lobau steuern. Endlich freie Fahrt, ohne Ampeln, Kreuzungen, Fussgängern und dem gigantischen Schilderwald der Stadt. Da meldet sich bereits ein eigenartiges Geräusch vom Heck. An unserem BOB-Yak Anhänger ist ebenfalls die Luft raus. Nach den knapp 10'000 Km, die der Reifen am Anhänger in den letzten Jahren bereits abgerollt hat, staune ich nicht schlecht. Diese Panne ist im Eiltempo wieder gerichtet und es kann weiter gehen. Auch hier verpassen wir irgendwie den entscheidenen Wegweiser und fahren entlang dem FKK-Strand geradewegs in den Ölhafen der Lobau und damit erneut in eine Sackgasse. Hinter dem Gelände der Ölraffinerie beigt der Donau-Radweg direkt in den Nationalpark Donauauen ein und folgt dem Damm Richtung Südosten. Rechts und Links des Weges breiten sich die Auenwälder aus und bieten vom erhöhten Damm eine schöne Kulisse. Bei Schönau überkommt uns der Hunger und wir versuchen ein Lebensmittelgeschäft ausfindig zu machen. Fehlanzeige. Die Gegend ist wie ausgestorben, besonders um die Mittagszeit. Am Radler-Imbiss bekommen wir ein paar Käsebrote ganz nach Grossmutters Art.
Auf dem Damm bei Schönau müssen wir die magere Dammböschung erst ein wenig genauer auf Heuschrecken absuchen, bevor wir die wenigen verbleibenden Kilometer nach Orth in Angriff nehmen. In Orth, wo sich das Nationalpark Zentrum befindet, beziehen wir im Gästehaus Maria unser Quartier. 18.- € inklusive Frühstück bezahlen wir für die Unterkunft mit Gästeküche. Das schöne Abendlicht nutzen wir in den Auen direkt bei Orth, um nach allerhand Insekten zu suchen.

Liste der gesichteten und/oder verhörten Heuschrecken entlang der Dammböschung:
Mantis religiosa - Europäische Gottesanbeterin
Platycleis grisea - Graue Beissschrecke
Metrioptera bicolor - Zweifarbige Beissschrecke
Metrioptera roeselii - Roesels Beissschrecke
Tetrix spec. - Dornschrecken (Larven)
Calliptamus italicus - Italienische Schönschrecke
Oedipoda caerulescens - Blauflüglige Ödlandschrecke
Chorthippus biguttulus - Nachtigall-Grashüpfer
Chorthippus mollis - Verkannter Grashüpfer
Chorthippus brunneus - Brauner Grashüpfer
Euchorthippus declivus - Dickkopf-Grashüpfer

2008.09.09 - Nationalpark Donauauen - Tagesstrecke: 39 km

Wider allen Prognosen herrscht am Morgen bestes Wetter mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Im Schatten der Auenwälder treibt uns die gefühlte Temperatur noch Gänsehaut auf Arme und Beine. Doch die Ruhe und die schöne Landschaft, die wir auf dem schnurgeraden Donaudamm durchschneiden entschädigt bei Weitem. Auch wenn wir alle paar Kilometer anhalten, um nach den Heuschrecken oder nach Sehenswertem im Nationalpark zu sehen, erreichen wir Hainburg bereits am frühen Nachmittag. Schon von Weitem erhebt sich der Braunsberg sowie der Hundsheimer Berg am Horizont der weiten Ebene.
Schnell haben wir eine bezahlbare Unterkunft bei der Familie Putz am Rande der Stadt Hainburg und in unmittelbarar Nähe zum anvisierten Ziel, dem Braunsberg.
Kaum haben wir unsere Sachen in den Zimmern verstaut, geht es auf die erste Erkundungstour. Mit den Rädern legen wir die 200 Höhenmeter auf den 246 m ü. M. gelegenen Braunsberg zurück und stürtzen uns in die Wiesen. Erst mit untergehender Sonne und einem knurrenden Magen kehren wir zurück zu den Fahrrädern, wo uns Petra etwas säuerlich und mit einem halben Sonnenstich vom langen Warten, empfängt.
Im Zentrum von Hainburg essen wir im Eis-Salon die besten Pizzen seit Langem, gewürzt mit einer kräftigen Portion Knoblauch.

2008.09.10 - Braunsberg bei Hainsburg - Tagesstrecke: 3 km

Seit der Projektwoche International Ende Juni 2008, die Dominik und mich im Rahmen des Studiums an der ZHAW unter anderem auf den Braunsberg führte, warteten wir auf den Tag, an dem wir stundenlang die Hänge des Braunsberges kriechend durchstreifen können. All die Heuschrecken und sonstigen Insekten genauer betrachten dürfen. Es stellt sich im Laufe des Tages heraus, dass die Saison für einige der Arten schon vorüber ist und diese den Löffel bereits abgegeben haben. Schade.
Trotzdem liessen sich noch einige Hüpfer aufspüren, auch solche, die für uns bis anhin noch unbekannt waren. Leider blieb uns die Perle der Heuschrecken, die Sägeschrecke (Saga pedo), die wir während der besagten Projektwoche noch als Larve gesehen hatten, bis auf Weiteres verwehrt.

Liste der gesichteten und/oder verhörten Heuschrecken an den Südostflanken des Braunsberges:
Mantis religiosa - Europäische Gottesanbeterin
Phaneroptera nana - Vierpunktige Sichelschrecke
Leptophyes albovittata - Gestreifte Zartschrecke
Leptophyes punctatissima - Punktierte Zartschrecke
Isophya costata - Breitstirnige Plumpschrecke (am 04.06.2008)
Ruspolia nitidula - Grosse Schiefkopfschrecke
Tettigonia viridissima - Grünes Heupferd
Platycleis grisea - Graue Beissschrecke
Platycleis veyseli  - Kleine Beissschrecke
Metrioptera bicolor - Zweifarbige Beissschrecke
Pholidoptera griseoaptera - Gemeine Strauchschrecke
Saga pedo - Sägeschrecke (am 04.06.2008 als Larve)
Ephippiger ephippiger - Steppen-Sattelschrecke
Gryllus campestris - Feldgrille
Oecanthus pellucens - Weinhähnchen
Calliptamus italicus - Italienische Schönschrecke
Oedipoda caerulescens - Blauflüglige ödlandschrecke
Euthystira brachyptera - Kleine Goldschrecke
Stenobothrus lineatus - Heidegrashüpfer
Gomphocerippus rufus - Rote Keulenschrecke
Chorthippus apricarius - Feld-Grashüpfer
Chorthippus biguttulus - Nachtigall-Grashüpfer
Chorthippus mollis - Verkannter Grashüpfer
Chorthippus brunneus - Brauner Grashüpfer
Euchorthippus declivus - Dickkopf-Grashüpfer

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