Transkarpatien 2007
Kurzbeschrieb der Reise
Wir waren samt Anreise vom 15.07.2007 bis 05.08.2007 unterwegs und legten dabei 1114 Km mit dem Tadem zurück.
Košice (SK) - Uzhorod (UA) - Svaljava (UA) - Ust-Corna (UA) - Chust (UA) - Mukaceve (UA) - Nyirbator (HU) - Hajdúnánás (HU) - Tokaj (HU) - Košice (SK)
Angaben zum Fotografen

Florin Rutschmann
Seit Jahren stellt er mit Makro-Objektiv und Kamera den Heuschrecken nach, mit dem Ziel, möglichst alle Arten Europas eines Tages dokumentieren zu können. Neben seiner Tätigkeit bei Orthoptera.ch arbeitet er als Projektleiter im praktischen Naturschutz.
2007.07.15 - Tagesstrecke: 8 km
Am 15.07.2007 starteten wir um 9:40 Uhr von Zürich mit der Bahn nach Wien, Teil I der Anreise in die Slowakei. Bereits bei der Buchung der Zugfahrt zeigten sich erste Schwierigkeiten, denn auf der Strecke Zürich - Wien werden mit dem Nachtzug keine Fahrräder transportiert. So waren wir gezwungen tagsüber zu reisen, und eine Nacht in Wien zu verbringen.
Die Reise selbst war gegen Ende eine heisse Angelegenheit, im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Wechsel der Lokomotive im Grenzbahnhof St. Margretten versagten die Dienste der Klimaanlage, wodurch sich die dicht verschlossenen Wagen im Laufe des Mittags zur "Höllen-Sauna" entwickelten.
Die Hitze setzte mächtig zu - die vollkommen verschwitzte, ältere Dame in unserem Abteil griff voller Verzweiflung nach dem nächsten Magazin und bemerkte erst nach Minuten, dass es sich hierbei um einen Playboy handelte. Der jugendliche Besitzer des Heftes im Sitz nebenan, grinnste die ganze Zeit über genüsslich vor sich hin.
Eine gute Stunde vor Wien hielten auch wir es nicht mehr aus und flüchteten in den wohl temperierten Fahrradwagen. Trotz allen Widrigkeiten erreichte unser Zug Wien mit einer knappen halben Stunde Verspätung.
2007.07.16 - Tagesstrecke: 36 km
Früh morgens, um 8:14 Uhr sitzen wir samt Pino bereits wieder im Zug nach Košice. Die Fahrt ist angenehm, die Wagen gekühlt und vereinzelt stellen wir este sprachliche Schwierigkeiten fest. Doch unser redseliger Abteilungsgenosse schöpfte mit seinen Englischkenntnissen aus dem Vollen - die Verständigung war dennoch lückenhaft.
Je näher wir der Zieldestination kamen, desto schöner und abwechslungsreicher wurde die Landschaft. Die riesigen Getreidefelder, welche sich in der Ebene bis an den Horizont erstreckten, wurden durch eine sanfte Hügelkulisse mit Wäldern abgelöst. Die Hügel und Berge des Tatragebirges weckten die innere Unruhe, sogleich in die Pedale treten zu können. Da wir durch den begrenzten Zeitrahmen von drei Wochen eingeschränkt sind, wollen wir uns an den von uns gesetzten Fahrplan halten und das Gebiet auf ein ander Mal vertagen.
In Košice angekommen, packen wir unsere Taschen an das blitz-blank glänzende Pino und stürtzen uns ins Getummel der Stadt. Sogleich können wir uns im Lidel mit gewohnter deutscher Qualität eindecken. Nach ein paar wirren Schlaufen auf den mehrspurigen Strassen, fanden wir ein sich stolz präsentierendes Zentrum vor, das zum verweilen einlädt. Beim Durchqueren wurde uns schnell klar, dass wir mit unserem Spezialgefährt auf reges Interesse stossen und uns erst an die Blicke, Zurufe und sonstigen Gesten gewöhnen müssen.
Mit dem Wichtigsten eingedeckt - vor allem einer guten Strassenkarte im Massstab 1:200'000 - geht es los, Richtung Osten, Richtung Ukraine. Kaum haben wir das Stadtzentrum hinter uns gelassen, geht es auf viel befahrener Strasse steil den Berg hinauf, wobei die Mittagssonne unerbittlich auf uns nieder brennt. Beide denken wir stillschweigend das geiche; "hoffentlich geht das nicht Tag für Tag so weiter, das ist kaum auszuhalten, einfach die falsche Region zum Radfahren ausgewählt". Das wenige Wasser, das wir für den Abend mit uns führen, neigte sich bereits nach wenigen Kilometern dem Ende zu. Nach 36 Km berghoch und -runter sind wir erledigt und völlig durchgeschwitzt, von einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit ist jedoch noch weit und breit nichts auszumachen, zu nahe befinden wir uns noch an der Stadt Košice. Die Besiedlung ist relaiv dicht und wo keine Hä:user stehen, sich unendliche Getreidemonokulturen ausdehnen, machen sich Abfallhalden breit.
Kurz vor Herlany (SK) entdecken wir in einem lichten Wald einige Ferienhäuschen, die wir ansteuern, in der Hoffnung jemanden anzutreffen, den wir um Campiererlaubnis bitten können. Tatsächlich ist in einem der Häuschen eine ältere Dame anwesend, die uns nach einigem Zögern und sprachlichen Schwierigkeiten auf dem Flecken Niemandsland zwischen den verschieden Parzellen gewähren lässt. Das Hotel Hilleberg aufgestellt und eingerichtet, fährt auf dem Grundstück nebenan ein Pärchen mittleren Alters vor, das schon ein wenig "getankt" hatte und in angeheitertem Zustand reges Interesse an uns zeigte. So wurden wir quasi per sofort verpflichtet, ihre Dusche und Toilette zu benutzen. Die für unsere Verhältnisse elends warme Nacht war durchzogen von einer Gruppe singender und grölender Menschen irgendwo in der Nähe, was unser Nachtruhe jedoch nicht weiter beeinflusste.
2007.07.17 - Tagesstrecke: 78 km
Nachdem ihre Nachbarn uns gestern so gastfreundlich aufgenommen hatten, will sich unsere ursprüngliche Gastgeberin nicht lumpen lassen und lädt uns am nächsten Morgen zum Frühstück ein. Sie spricht einige Worte Deutsch und erzählt, dass sie früher Mathematiklehrerin war und als Lehrerin sei sie es gewohnt zu bestimmen. Mit einem Lächeln bestimmt sie dann auch sehr energisch, dass wir nun noch bei ihr zu duschen hätten. Die kalte Freiluftdusche ist zwar nichts für zimperliche Geister, doch wir stehen beide tapfer unter den dünnen Wasserstrahl. Damit ist auch die Mathematiklehrerin zufrieden und wir können unsere Sachen zusammenpacken. Nach einer wortreichen Verabschiedung und etlichen Warnungen vor der "gefärlichen" Ukraine, nehmen wir unsere Stellung auf dem Pino ein und holpern winkend über die Wiese auf und davon.
Die Landschaft gefällt uns beiden gut. Es sind kleine Landstrassen, die wir befahren, gesäumt von Apfelbäumen, brach liegenden Feldern und immer wieder ein laubwaldbestockter Hügel. Mit dem Schwung der letzten Talfahrt durchkreuzen wir kleinere und grössere Ortschaften in den Talsohlen. Schnell haben wir herausgefunden, dass es wirklich in jedem noch so kleinen Dorf einen Tante-Emma-Laden gibt, dessen mehr oder weniger kalten Getränke wir bei der brütenden Hitze dringend benötigen. Am Mittag messen wir 44°C und so wundert es nicht, dass wir bis zum Ende des Tages zusammen über 10 Liter Wasser irgendwo in unserem Körper versickern liessen.
Genau richtig zur Mittagspause so gegen 13:00 Uhr überquert unsere Strasse den Fluss Ondava und wir sehen ein schönes Rastplätzchen für unsere Siesta. Allerdings haben wir gerade unsere Brötchen gegessen und wollen zum Dessert übergehen, als eine Gruppe von ungefähr 10 Romajungs zum Baden eintrifft. Als sie unser Tandem entdecken ist es vorbei mit der Ruhe und Gemütlichkeit. Florin erklärt mit Händen und Füssen das Tandem, wobei ein Junge seine zwei englischen Wörter immer wieder voller Stolz in die Unterhaltung einbringt.
Das Ziel unserer heutigen Fahrt ist die Stadt Snina. Auf unserer Karte ist ein Campingplatz eingezeichnet auf dem wir unser Zelt aufschlagen wollen.
Snina empfängt uns mit einigen grossen Plattenbauten, einer Menge Industrie und wirkt eher trist. Auf den Strassen wird gebaut und es hat sehr grosse Lebensmitteldiscounter mit entsprechenden Parkplatzflächen davor. Auf der Suche nach dem Zeltplatz fahren wir schon fast wieder aus der Stadt heraus und sind unsicher, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Da kommt auch schon ein Slowake auf seinem Rennrad angefahren und hält neben uns an. Er kennt den Campingplatz und lozt uns auf einen kleinen Hügel neben der Stadt. Diese freundliche Art uns als Navigator zur Hilfe zu kommen, wenn wir gerade mal wieder die Karte an einer Strassenecke studieren, wird uns noch während der ganzen Reise begegnen.
Der Campingplatz ist gemütlich und gut eingerichtet. Es gibt verhältnismässig saubere Sanitäre Anlagen und warmes Wasser. Über die 100 slowakischen Kronen (± 3 €) pro Nacht, die wir für uns und unser Zelt zahlen, kann man wirklich nicht meckern. Ausserdem ist etwa 500 Meter entfernt der Eingang in ein Naturschutzgebiet mit Badesee.















